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WinBoat: Eine einfache Lösung, um Windows-Apps unter Linux Mint auszuführen

Heute möchte ich euch WinBoat vorstellen. Um es einfacher unter Linux Mint zu installieren, habe ich ein Skript für euch gemacht.

Ich bevorzuge wenn möglich immer zuerst Open-Source-Software, die mit allen Betriebssystemen laufen. Auch unter macOS benutze ich mindestens 90 % Open-Source-Software, die gleichen Programme, die ich auch unter Linux benutze.

Aber manchmal ist es nicht anders möglich. Das letzte Windows-Programm, das ich vor über 20 Jahren benutzt habe, war das Steuerprogramm Lexware, das ausschließlich unter Windows lief.
Es gibt also Ausnahmen ...

Heute gibt es viele Programme, die in einer Cloud laufen. Für diese Programme braucht man ja nur einen Browser, das bedeutet es ist völlig unabhängig ob es unter Windows, macOS oder Linux läuft.
Allerdings beim Thema Datenschutz muss man es sich gut überlegen, wie viele sensible Daten man in einer Cloud auslagern möchte, aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Thema Windows-Programme unter Linux.
Es gibt viele Möglichkeiten Windows-Programme unter Linux auszuführen.
Der erste Klassiker war „Wine“, später in 2017 kam „Bottles“ mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche, die die Konfiguration von Wine viel einfacher gemacht hat.
Eine Windows-App unter Wine laufen zu lassen, kann eventuell eine größere Herausforderung sein.

„WinApps“ und „WinBoat“

Es gibt zwei interessante Projekte, die eine andere Vorgangsweise verfolgen: Sie führen ein eigenständiges Windows in einer virtuellen Maschine aus.
Diese Projekte heißen „WinApps“ und „WinBoat“.
WinBoat befindet sich zwar noch im Beta-Stadium, funktioniert aber schon recht gut.
Was ist eine virtuelle Maschine?

In wenigen Worten erklärt: Auf einem realen oder physischen Computer, der z. B. Linux als Betriebssystem hat, wird ein zweites Betriebssystem wie z.B. Windows in einer virtuellen Umgebung wie ein normales Programm in einem Fenster gestartet.
Die virtuelle Umgebung oder besser gesagt die virtuelle Maschine teilt sich die gleiche Hardware, also CPU, Festplatte, Bildschirm, Tastatur, Ein- und Ausgänge usw.

Was ist der Vorteil dieser Methode? Die Windows-Apps laufen in einer absolut 100-prozentigen Windows-Umgebung.
Der Nachteil ist, dass sie wesentlich mehr Rechnerleistung und Speicher bzw. RAM benötigen.
Es wäre ein „Overkill”, Winboat zu benutzen, um beispielsweise nur einen kleinen HTML-Editor wie Notepad++ auszuführen!
Ein anderer Nachteil, Windows in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen ist, dass es sich nicht für Programme eignet, die starke Grafikleistung brauchen. Es ist nicht ratsam, WinBoat für „Adobe Premier Pro“ - ein Videoschnitt-Editor - zu benutzten. Da wäre es sinnvoller direkt ein Linuxprogramm zu nehmen, wie zum Beispiel DaVinci Resolve oder Kdenlive. Ich benutze z.b. Kdenlive um meine eigenen Videos zu schneiden und bin damit sehr zufrieden.
Für Gaming gibt es „Proton“, das offensichtlich sehr gut zu funktionieren scheint. (da habe ich keine Erfahrung ;-) )
In meinem zweiten Video hatte ich ein Dual-Boot-System auf einem PC installiert. Neben Windows, hatte ich Linux in einer anderen Partition installiert.
Der Nachteil dieser Lösung ist, dass man den PC jedes Mal neu starten muss, um das Betriebssystem zu wechseln.
Viel eleganter ist es, Windows in einer virtuellen Maschine zu haben, wo ich jederzeit eine Windows-App ausführen kann, ohne jedes Mal einen Neustart machen zu müssen.
Aber eben, es braucht mehr Rechnerleistung ...
In allen meinen Videos versuche ich, Anleitungen für „normale“ Benutzer oder halt einfach „Nicht-Nerds” zu zeigen.

Beide Projekte sind sehr ähnlich und funktionieren mit dem Container-System Docker, aber WinBoat ist noch einfacher zu installieren.
Jetzt möchte ich WinBoat mit euch installieren. Im Voraus habe ich eine Datei erstellt, in der du Schritt für Schritt die Kommandos kopieren und in einem Terminal wieder einfügen kannst. Ich habe es mit Linux Mint Cinnamon 22.2 und Linux Mint LMDE 7 ausprobiert.

Die Adresse, die URL ist:
https://linux-ist-cool.eu/files/winboat/Installationsscript-fuer-WinBoat.txt

Lass uns jetzt dieses Script gemeinsam durchgehen.

  • also zuerst gehe ich auf die Website von WinBoat
  • dann klicke ich auf den Download-Button
  • dann wähle ich Debian bzw. .deb | Debian based distros
  • jetzt klicke ich auf Download .deb
  • Jetzt gehe ich im Ordner „Download“ auf das Paket winboat-0.8.7-amd64.deb und öffne es mit einem doppelklick .
  • nun klicke ich auf den grünen Butten „Packet installieren“
  • nach „Installation abgeschlossen“, schließe ich.
  • Im Menü „win“ eingeben und auf WinBoat klicken.
  • Im WinBoat Fenster kann man zuerst nur auf „Next“ klicken
  • Jetzt kommt „License Agreement“, ich lese es und klicke auf

„I Agree“.

  • Jetzt kommt ein wichtiges Fenster mit den „Pre-Requisites“ = die „Voraussetzungen“

die ersten drei Punkte sollten Grün sein:

  • ob genügend RAM vorhanden ist (min 4GB)
  • ob genügend CPU-Cores vorhanden ist (min 2 Cores)
  • ob die Virtualisierung im BIOS eingeschaltet ist – Wenn nicht muss man zurück in BIOS gehen, und die Virtualisierung einschalten. (In meinem zweiten Video, in dem ich ein Linux auf dem PC installiere, habe ich euch gezeigt, wie man in Bios reingehen kann. Und da im Bios gibt es eine Einstellung, wie man die Virtualisierung ein- oder ausschalten kann)

Weiter im Terminal

Wenn alle drei Punkte in Ordnung sind, können wir mit dem Rest der Installation in einem Terminal weiter machen.
Also öffnen wir den Terminal.
Alle andere Punkte sollten mit einen roten-Kreuz markiert sein und mit einem Link „How?“ am Ende der Zeile.
Wir können entweder die Online-Dokumentation lesen oder jetzt mein Script zur Hilfe nehmen, die Befehle kopieren und im Terminal wieder einfügen. Das machen wir jetzt!

Konfliktverursachende Pakete entfernen

for pkg in docker.io docker-doc docker-compose \
docker-compose-v2 podman-docker containerd runc; \
do sudo apt-get remove $pkg; done

diesen Befehl müssen wir ganz genau kopieren, von „for“ bis zu „done“
Dann im Terminal mit <Strg> <Umschalttaste> <v> wieder einfügen.
Die Taste <Umschalttaste> oder auf english <Shift> ist wichtig im Gnome-Terminal, sonst funktioniert das Kopieren und Einfügen nicht!
So und dann, weil es ein Administrator-Befehl ist, muss man, wie immer, das Admin-Password eingeben.
Noch etwas. Wenn ein Befehl richtig eingetippt worden ist, gibt es keine Meldung, nur wenn es nicht geklappt hat. Das ist wichtig zu verstehen.

Füge den offiziellen GPG-Schlüssel von Docker hinzu:

Um sicher zu sein, dass man das offizielle Paket installiert,
installiert man zuerst die richtigen Schlüssel.
Ich werde jetzt nicht jeden Befehl erklären, nur wenn es nötig und wichtig ist.
Für Linux Mint Cinnamon und Linux Mint LMDE sind die Befehle manchmal unterschiedlich, weil der Ursprung von Linux Mint Cinnamon ist Ubuntu und der Ursprung von Linux Mint LMDE ist Debian.

In meinem Fall habe ich einen Linux Mint Cinnamon:

sudo curl -fsSL https://download.docker.com/linux/ubuntu/gpg \
o /etc/apt/keyrings/docker.asc

sudo chmod a+r /etc/apt/keyrings/docker.asc

Jetzt wird das Docker-Repository zu den APT-Quellen hinzugefügt.
Achtung! Auch da ist es wichtig, diesen langen Befehl richtig zu kopieren.

für Linux Mint Cinnamon 22.2

echo \
"deb [arch=$(dpkg --print-architecture) signed-by=/etc/apt/keyrings/docker.asc] https://download.docker.com/linux/ubuntu \
$(. /etc/os-release && echo "${UBUNTU_CODENAME:-$VERSION_CODENAME}") stable" | \
sudo tee /etc/apt/sources.list.d/docker.list > /dev/null

für Linux Mint LMDE 7:

Achtung "$VERSION_CODENAME" = gigi aber es gibt Docker für gigi
also muss statt "$VERSION_CODENAME" -> "$DEBIAN_CODENAME" nehmen!

echo \
"deb [arch=$(dpkg –print-architecture) signed-by=/etc/apt/keyrings/docker.asc] https://download.docker.com/linux/debian \
$(. /etc/os-release && echo "$DEBIAN_CODENAME") stable" | \
sudo tee /etc/apt/sources.list.d/docker.list > /dev/null

dann geht es gemeinsam weiter

sudo apt-get update

Installiere die neueste Docker Engine:

sudo apt-get install docker-ce docker-ce-cli containerd.io docker-buildx-plugin docker-compose-plugin

Jetzt überprüfe ich ob Docker gestartet ist.

sudo systemctl status docker

Wenn der Status „active (running)“ ist, dann ist alles perfekt.
Mit <Strg> c beende ich diese Satusanzeige.

Wenn es nicht „active (running)“ ist, könnte ich es manuell starten:

sudo systemctl start docker

Und jetzt überprüfe ich, ob es geklappt hat:

sudo docker run hello-world

hello-world ist eine Test-Image um zu sehen ob Docker normal funktioniert.

Als nächstes: Mein Benutzer zur Docker-Gruppe hinzufügen:

sudo usermod -aG docker $USER

Dann, die Gruppenänderungen aktivieren:

newgrp docker

Jetzt überprüfe ich, ob Docker auf der Benutzerebene funktioniert:

docker run hello-world

diesmal ohne sudo

Auch hier sollte die Rückmeldung kommen, dass es funktioniert!

Beim Booten sollte Docker automatisch starten:

sudo systemctl enable docker
sudo systemctl enable containerd

Und jetzt eine letzte Überprüfung:
docker compose version

Da sollte die Meldung „Docker Compose Version v2.40.3“ kommen.

Jetzt installiere ich noch FreeRDP.

FreeRDP lässt Linux auf die Windows-Oberfläche zugreifen.

das sollte nicht nötig sein, Flatpak ist auf Linux Mint schon installiert!

flatpak remote-add --if-not-exists flathub https://flathub.org/repo/flathub.flatpakrepo

und hier wird freeRDP als Flatpak installiert.

flatpak install com.freerdp.FreeRDP

das müssen wir mit y bestätigen. Zweimal.

Jetzt ist es Zeit, einen Neustart zu machen.

Und dann starte ich nochmals WinBoat. Klicke wieder auf
„Next“ und dann auf „I Agree“

Und jetzt, wenn alles richtig war, sollte ich auf der
„Pre-Requisites“-Seite alle Punkte in grün haben.

Ich kann also auf „Next“ klicken.

Die nächste Frage ist, in welchem Ordner WinBoat sein soll.
Da erstelle ich den Ordner Win. Und klicke auf Auswählen.

Und wieder auf „Next“ klicken.

Jetzt kann ich ein Windows herunterladen.
Ich behalte die Vorgabe: Windows 11 Pro und Englisch, denn Deutsch scheint nicht zu funktionieren - später müsste man dann noch ein Sprachpaket installieren.

Und wieder „Next“ klicken.

Jetzt kommt die Benutzer-Konfiguration

Und wieder „Next“ klicken.

Dann die Hardware-Konfiguration

Ich gebe 2 Cores, 8GB RAM und ca. 100 - 120GB Speicher.

Und wieder „Next“ klicken.

Der nächste Punkt „Home Folder Sharing“ ist wichtig.

Möchte ich, das Windows auf mein Linux Home-Verzeichnis zugreifen kann?

Wenn es um die Sicherheit geht, würde ich sofort Nein sagen. Ich möchte nicht, dass Windows plötzlich Dateien in meinem Linux-Home-Verzeichnis schreiben kann.
Aber wenn ich Nein sage, ist die Datenübermittlung natürlich wesentlich umständlicher.
Letztendlich ist das eine persönliche Entscheidung.

Für mich also klar, ein Nein, und ich klicke auf „Next“

Auf der Übesicht-Seite kann ich alles nochmals kontrollieren und wenn alles gut ist, klicke ich auf „Install“

Das braucht eine Weile… so habe ich Zeit, um ein leckeren Espresso mit von mir frisch gerösteten Kaffeebohnen zu genießen…

Windows ist jetzt installiert.
Also klicke ich auf "Finish".

Jetzt sehe ich, dass ich in WinBoat, Windows 11 Pro habe.
Wenn ich jetzt unter Apps gehe, kann ich z. B. Windows Desktop aufrufen, und sehe, wie erwartet, ein ganz normales Windows Desktop. Da kann ich jetzt Software installieren.
z.B. könnte ich Firefox installieren um ein bisschen mehr Privacy zu haben.
Nachdem ich Firefox installiert und konfiguriert habe, möchte ich jetzt manche Programme haben, die es nur für Windows gibt, bzw. nicht unter Linux. Ein Bespiel ist MediaMonkey oder Lexware Buchhaltung.
Mit diesem Demo-PC der nicht der schnellste ist, ist natürlich Windows auch nicht extrem schnell. Aber es funktioniert.
Das Installieren geht ganz normal, so wie man Programme unter Windows installiert.
Wenn ich jetzt den Windows Desktop schließe und unter Apps gehen, sehe ich, mindestens nach einer Weile, dass MediaMonkey auch in der Liste ist. Ich kann also MediaMonkey sofort aufrufen.

Jetzt gibt es noch mehere Punkte.

Wenn ich ein Windows herunterlade, hat dieses Windows noch keine Lizenz.
Lizenzen bzw OEM Keys kann man kostengüntig zwischen 23€ und 29€ im Internet besorgen. Z.B. bei GVGMall
https://de.gvgmall.com/key/202411141404178075.html
oder bei hardwarerat.de
https://hardwarerat.de/software/betriebsysteme/1298/windows-11-pro-oem-key-sofort-via-mail?number=SW11270

Bei eBay gibt es auch Windows Keys noch viel billiger, aber da würde ich die Finger weglassen, wenn ich keine Probleme mit der Justiz haben möchte.

Ein weiterer Punkt ist, dass Windows jetzt Daten an Microsoft sendet.
Die Mindestmaßnahme ist, eine Software zu installieren, um Windows ein bisschen im Zaum zu halten.
So eine Software ist O&O ShutUp10++ von
https://www.oo-software.com

 

So das wär’s mit WinBoat!
Mit diesem Rechner ist die Leistung ein bisschen schwach. Ein PC mit stärkeren Leistungen wäre sicher besser bzw. angenehmer zum arbeiten. Aber für diese Demo reicht es völlig aus.

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